Die Kinderweihe/Wasserweihe

Die feierliche Aufnahme in den Kreis der Sippe

Einleitung:

Die Kinderweihe oder Wasserweihe ist der erste Große Schritt im Leben eines neugeborenen Kindes und damit beginnt sein eigentliches Leben als fester Bestandteil der Sippe erst. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Wasserweihe und versucht eine möglichst genaue Anleitung zu liefern.

Belege:

Die Wasserweihe wird in mehreren Texten der altnordischen Literatur erwähnt, die sich auf die vorchristliche Zeit beziehen. Die meisten Belege finden sich in den Isländersagas, den Fornaldarsagas und den Königssagas.

Im Havemal der Edda wird sie ebenfalls erwähnt:

Ein dreizehntes kann ich, soll ich ein Degenkind
In die Taufe tauchen,
So mag er nicht fallen im Volksgefecht,
Kein Schwert mag ihn versehren.

Havamal Str.158

 

K640_Neue Bitmap (10)

Der Unterschied zwischen christlicher Taufe und der germanischen Wasserweihe:

Mit der Wasserweihe wurde nicht der Eintritt in einen Verein oder Glaubensgemeinschaft gefeiert, wie es bei der Kirche der Fall ist, sondern EINZIG und ALLEIN der Eintritt in die Sippe. Die Sippe war den Germanen heilig und durch dieses Fest wurde das Kind anerkannt.

In dem Buch Spiritual World of the Vikings and the Germanic erfahren wir hierzu:

„Mit der bloßen Geburt ist ein Neugeborenes noch nicht Mitglied der Gemeinschaft (Familie, Sippe). Das bewirkt erst ein besonderes Adoptionsritual: Das Kind wird vom Erdboden aufgenommen, dem Vater auf die Knie gesetzt (Schoß-Setzung), mit Wasser besprengt (Wasserweihe). Es erhält einen Namen und zur „Befestigung des Namens“ (nafn-festr) ein Geschenk. Geschenke binden Geber und Beschenkte dauerhaft aneinander, denn ein Geschenk enthält „Seele“ von dem, der es gibt.“

Die Wasserweihe in den alten Zeiten:

Die Geburt

Die Geburt eines Kindes war ein besonderer Moment, zwar war man sehr Heilkundig und durch die Anwedung von Heilkräutern konnte das Sterberiskio gesenkt werden, aber trotzdem war es noch sehr hoch. Daher bat man Frigg um ihren Beistand und rief sie kurz vor und nach der Geburt auf. Sie sollte Mutter und Kind beistehen. Aber auch die Nornen wurden aufgerufen, dass sie dem Kind ein langes Leben schenken mögen.

Die erste Nacht

In der ersten Nacht glaubte man, dass die Nornen vorbei kamen um das Schicksal für das Kind fest zulegen, man legte ihnen Opfergaben neben das Neugeboren. man hoffte ihm so ein schönes Schicksal kaufen zu können.

 

Die Aussetzung:

In den ersten 9 Tagen war das Kind noch kein Bestandteil der Sippe, der Vater hatte noch das Recht es auszusetzen, sollte er die Vaterschaft anzweifeln. Das mag sich in der modernen zeit grausam anhören, aber so wurde es damals veranstaltet. Erst nach der Kindsweihe war das Kind fester Bestandteil der Sippe. Ein  Beispiel dazu ist die isländische Saga von Thorstein Ochsenfuß. Als Oddný um Mittsommer ein uneheliches Kind erwartet, erzwingt ihr Bruder Thorkell die Aussetzung. Er befiehlt einem Sklaven die Durchführung, der sich darauf  widerwillig zu Oddný begibt. Draußen im Wald wickelt er den Jungen in eine Decke, legt ihm eine Speckscheibe in den Mund und baut ihm unter einer Baumwurzel ein Versteck. Etwas später findet ein anderer Bauer den Jungen, der ihn daraufhin in seine Sippe aufnimmt und zusammen mit seiner Frau aufzieht. Als Junge trifft er seine Mutter wieder und wird im Laufe der Zeit zu einem angesehenen Mann.

Die eigentliche Wasserweihe

Es handelte sich um ein reines Sippenfest. Man kam im Kreis der Familie zusammen und der Vater hob das Kind vom Boden auf und nahm es auf den Schoß, damit erkannte er es als sein Erbe an. Die Aufhebung beendete die Chance auf die Aussetzung.

Dann tauchte der Vater seine Hand in eine Schüssel geweihten Wassers und besprenkelte damit die Stirn des Kindes. Dabei nannte er den zukünftigen Namen des Kindes.

Die Namensgebung

Die Namensgebung ist ebenso bedeutungsvoll, denn der Name ist kein zufälliger Schmuck. Aus alter Zeit stammt der Brauch, dem Kind einen Namen eines verstorbenen Verwandten zu geben. Das wird mit dem Gedanken verbunden sein, daß mit dem Namen auch die seelische Beschaffenheit (oder zumindest Teile davon) auf das Kind übergeht.

Schließlich zum Ende der Feier musste er ihm noch ein Geschenk übergeben.

Somit war das Kind nun gänzlich in die Sippe aufgenommen, ein Mitglied einer uralten Blutlinie, die sich durch den ganzen Stamm zog und sich auf einen Urahnen zurück berief. Die Bindung zwischen Ahnen und Erben war bei den Germanen eine sehr wichtige, tiefgreifende und spirituelle.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s